Wenn sich Geschichte wiederholt

Die Spanische Grippe führte 1918 zu einer globalen Epidemie. Über 100 Jahre später stehen wir dieser Herausforderung erneut gegenüber. Das Coronavirus hat der Menschheit einen schmerzlichen Realitätscheck verpasst.

Text: Astrid Pozarek

Seit über einem Jahr begleitet uns nun COVID-19 durch den Alltag. Vergessen, so glauben wir, wird man den Virus nie. Aber was ist, wenn doch? 1918 gab es bereits eine Pandemie, die sich im Gedächtnis der meisten Menschen heute aber kaum mehr wiederfindet.

Was sind die Unterschiede zwischen der Spanischen Grippe und dem Coronavirus? Beide Viren haben die Welt auf den Kopf gestellt und womöglich stellt man sich die Frage, wie sich die beiden Pandemien miteinander vergleichen lassen. Im folgenden Beitrag wird nicht nur die damalige gesellschaftliche Situation dargelegt, sondern auch wo die Spanische Grippe ihren Anfang fand, wie sich das Virus entwickelte, wie ein Krankheitsverlauf aussah und wer daran erkrankte. Des Weiteren werden die Maßnahmen, die gegen das Virus vorgenommen wurden, beschrieben, sowie die mediale Öffentlichkeit und dem schlussendlichen Ende der Pandemie von 1918/19. All diese Punkte werden in einem direkten Vergleich mit dem Coronavirus behandelt.

Der Ausgang

Trotz des Namens geht die Wissenschaft heute davon aus, dass das Virus nicht aus Europa stammte. Der erste Infizierte soll vielmehr aus dem US-Bundesstaat Kansas kommen.

Ein junger Mann steckt sich wohl im März 1918 an einem Tier mit dem Virus an. Der Erreger, so wird heute vermutet, springt zunächst von einem Wildtier – einem Wasservogel – auf ein Nutztier über, von wo er schließlich in den Menschen gelangt. Das Virus der Spanischen Grippe gehört zur Gruppe der Influenzaviren, die in verschiedenen Gattungen auftreten können.


In der chinesischen Provinz Wuhan treten Ende 2019 vermehrt Fälle einer unbekannten Lungenerkrankung auf. Der erste Fall soll bereits am 17. November 2019 aufgetreten sein. Es wird vermutet, dass das Virus von einem Markt für Fische und Wildtiere stammt. Dort soll er von einem Tier auf den Menschen übergesprungen sein.

Am 31. Dezember meldet China die ersten offiziellen Fälle der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zu diesem Zeitpunkt sind bereits mindestens 44 Menschen mit dem Virus infiziert.


Woher stammen die Namen?

Spanische Grippe:

Ihren Namen erhält die Spanische Grippe von Auslandskorrespondenten, nachdem Zeitungen über Grippefälle in Spanien berichteten. Da das Land nicht am Ersten Weltkrieg beteiligt ist und keine Zensur verhängt hat, werden Berichte über das Virus nicht zurückgehalten. Damit wird erstmals eine breitere Öffentlichkeit auf die neuartige Krankheit aufmerksam.

Corona:

Das Coronavirus, wie es gängig heißt, erhält seinen Namen von seinem Stamm. Die Coronaviren wiederum erhielten ihren Namen vom Strahlenkranz der Sonne, dem ihre Hüllenform gleicht. Der wissenschaftliche Name des Virus lautet SARS-CoV-2. Die von ihm ausgelöste Krankheit wird COVID-19 genannt. US-Präsident Donald Trump nannte das Virus auch „China-Virus“ oder „kung flu“, da er damit den Fokus auf das Ursprungsland China als „Sündenbock“ legen wollte.  

Collage aus Artikel-Überschriften zum Coronavirus zu

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