Wenn sich Geschichte wiederholt

Die Verbreitung

Spanische GrippeCoronavirus
Wegen ihrer Teilnahme am Krieg in Europa rekrutieren die USA laufend Soldaten, darunter auch Patient 0.

Albert Gitchell ist Küchenunteroffizier in Camp Funston in Kansas und vermutlich nicht der Erste, der den Virus in sich trägt, aber der erste offiziell gemeldete Fall.
 
Aufgrund seiner Position als Lagerkoch kommt Gitchell täglich mit tausenden Soldaten zusammen und verbreitete so das Virus im ganzen Lager.
 
In den ersten drei Wochen infizieren sich über 1.100 Soldaten. Von Kansas aus breitete sich das Virus bis zur Ostküste. Von dort legen Schiffe mit infizierten Soldaten nach Europa ab.
 
Bis April 1918 gelangt das Virus so auf den europäischen Kontinent und in die Schützengräben.
 
Die Pandemie verläuft in drei Wellen:
 
Die erste Welle verläuft vergleichsweise mild. Es erkranken zwar auch Zivilisten, das Virus bleibt aber vor allem in den Lagern der Soldaten. Im August 1918 nimmt die Grippewelle ab.
 
Der Ausbruch der zweiten Welle erfolgt mit wesentlich größerer Wucht im September 1918. Ausgangspunkt hier ist das in der Nähe von Boston gelegene Camp Devens der US-Army.
 
Das Virus ist inzwischen mutiert. Diese Veränderung macht es gefährlicher und somit auch tödlicher.
 
Die dritte Welte beginnt schließlich Anfang 1919. Ihr Verlauf ist nicht mehr so tödlich wie jener der zweiten Welle. Es handelt sich vorwiegend um lokale Infektionen.

Etwa 500 Tage nach dem ersten Ausbruch der Spanischen Grippe ist ein Ende in Sicht.

Im Juni 1918 gibt es in der Schweiz, Italien und Südtirol die ersten Fälle außerhalb der Kriegslager.
 
In Österreich ist als erstes das Kronland Tirol betroffen. Von dort aus breitet sich die Krankheit nach Osten und schließlich nach Wien aus. Mitte Juni gibt es dort offiziell 47 Grippefälle. Die Spanische Grippe wird allerdings nie anzeigepflichtig. Die genaue Fallzahl bleibt daher unbekannt. Die zweite Welle erfasst Österreich im November und Dezember 1918.
Als sich das Virus in Wuhan im Dezember 2019 immer weiter ausbreitet, dauert es nicht lange bis, auch andere Länder Fälle melden.
 
Im Jänner 2020 wird der erste Fall außerhalb von China bekannt. Thailand meldet einen Erkrankungsfall – eine Frau, die zuvor in Wuhan war. Zwei Tage zuvor, am 11. Jänner, gibt es in China den ersten Todesfall durch COVID-19.
 
Personen, die aufgrund des chinesischen Neujahrsfests in Wuhan waren, um Verwandte zu besuchen, tragen das Virus in die ganze Welt.
 
Zunächst wurde angenommen, dass am 24. Jänner 2020 das Virus offiziell den europäischen Kontinent durch zwei Fälle in Frankreich erreichte.

Später stelle man fest, dass bereits im November 2019 ein vierjähriger Bub aus Italien mit dem Virus infiziert war.

In den USA wird der erste Coronafall am 21. Januar 2020 gemeldet.
 
Am 25. Februar 2020 werden die ersten zwei Fälle in Österreich bekannt. Zwei 24-jährige werden in Tirol positiv getestet. Der Skiort Ischgl wird zum Infektionsherd, in dem sich viele ausländische Skitouristen anstecken.
  
Am 11. März stuft die WHO, die Ausbreitung des Coronavirus als Pandemie ein.
 
Wie bei der Spanischen Grippe tritt das Coronavirus in verschiedenen Wellen auf:
 
Die erste Welle im März 2020 führt in mehreren Ländern zu Lockdowns und Ausreisebeschränkungen.
 
Über den Sommer beruhigt sich die Situation weltweit etwas, bevor im Herbst 2020 die zweite Welle folgt.

Im Dezember 2020 wurde eine Mutation des Coronavirus (B.1.1.7.) in England entdeckt. Diese ist zwar nicht tödlicher, aber um 70 % ansteckender.

Anfang Jänner 2021 konnte die B.1.1.7.-Mutation erstmals in Österreich festgestellt werden.

An dieser Verlaufskarte kann man erkennen, dass die Sterblichkeitsrate während der ersten Welle noch weitgehend gering war. Im Oktober 1918 erfolgte die zweite Welle und hier sind die höchsten Todesfälle festzuellen, wohingegen es bei der dritten Welle Anfang 1919 nur noch zu Ausreiser kommt.

Collage aus Artikel-Überschriften zum Coronavirus zu

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