Wenn sich Geschichte wiederholt

Der Krankheitsverlauf & Anfälligkeit

Wie kam es 1918/19 zu einer Erkrankung im Vergleich zu heute und gibt es zwischen den beiden Viren Ähnlichkeiten beim Krankheitsverlauf.

Spanische Grippe:

Die Spanische Grippe wird durch Tröpfchen übertragen. Patienten mit einer Infektion leiden meist unter Husten, Fieber und Kopfschmerzen. Die Symptome können in unterschiedlicher Intensität auftreten.

Bei besonders starken Verläufen verfärben sich die Lippen und Ohren der Erkrankten aufgrund von Sauerstoffmangel in der Lunge blau. Bei manchen Patienten führte eine Wasseransammlung in der Lunge auch dazu, dass es zum Husten von Blut kommt.

Die Inkubationszeit der Spanischen Grippe ist sehr kurz. Haben Infizierte eine schwere Verlaufsform, liegen zwischen Auftreten der Symptome und dem Tod meist nur wenige Tage.

Als häufigste Todesursache wird eine Lungenentzündung in Folge der Wasseransammlung in der Lunge diagnostiziert.

Coronavirus:

Auch bei COVID-19 erfolgt die Infektion über Tröpfchen.

Krankheitszeichen sind hier meist Fieber, Husten und Kurzatmigkeit, extreme Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Durchfall. In Unterschied zur Spanischen Grippe kommt es bei Corona auch zum Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn.

Für den Verlust von Geschmack und Geruch ist das Enzym ACE2 in den Zellen der Nase verantwortlich. Das Enzym dient als Eintrittspforte für SARS-CoV-2 . Durch eine erhöhte Anzahl von ACE2 in den Zellen kann der Bereich, der für das Riechen verantwortlich ist, angegriffen werden.

In den schlimmsten Fällen müssen Infizierte ins Krankenhaus, um ärztlich behandelt zu werden. Ist die Lunge zu sehr angegriffen, kann es auch dazu kommen, dass Erkrankte an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden müssen, ins Koma fallen oder sogar sterben.

Während bei der Spanischen Grippe keinen beträchtlichen Langzeitfolgen erfasst wurden, konnte man bei dem Coronavirus anders dokumentieren. Da das SARS-CoV-2 besonders das Lungengewebe angreift, kann es hier zu langfristigen Problemen kommen. So können z.B. entzündete Lungenbläschen Beschwerden der Atemwege hervorrufen.


Wer erkankte?

Spanische GrippeCoronavirus
Wer an der Spanischen Grippe wie stark erkrankt, ist vor 100 Jahren nicht nur vom Alter abhängig, sondern auch vom gesundheitlichen Allgemeinzustand und der Variante des Virus.
 
Das Virus mutiert im Laufe des Sommers 1918 und wird dadurch tödlicher.
 
So sind Soldaten, die bereits Monate im Krieg waren und so eine schlechte Kondition aufweisen, äußerst anfällig für einen schweren Verlauf der Spanischen Grippe.
 
Eine weitere Gruppe, die stark von der Spanischen Grippe betroffen ist, sind Kinder und 15-40-Jährige.

Ob Männer anfälliger sind als Frauen, ist nicht bekannt. Die Inkubationszeit beträgt meist nie mehr als zwei Tage.
In der ersten Welle sind vor allem ältere Menschen ab 60 Jahren besonders anfällig für eine COVID-19-Erkrankung.
Auch Personen mit Vorerkrankungen wie Herzinfarkten oder Asthma gehören zu den sogenannten Risikogruppen.
 
Dies ändert sich bei der zweiten Welle im Herbst 2020. Immer mehr junge Leute zwischen 15 und 54 Jahren erkranken.
 
Dabei ist auch festzuhalten, dass mehr Männer als Frauen mit dem Virus infiziert sind.

Ist jemand infiziert, kann es bis zu 14 Tagen dauern, bis sich erste Symptome zeigen.

Warum die Sterblichkeitsrate bei Kindern höher war, lässt sich der laut wissenschaftlichen Mitarbeiterin am Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage Dr. Daniela Angetter-Pfeiffer folgendermaßen erklären: „Die Ärzte damals haben die Theorie aufgestellt, dass ältere Menschen einfach durch frühere Erkrankungen schon eine gewisse Immunität aufgebaut haben und die gehen davon aus, dass die eher gegen die Spanische Grippe immun waren

Parallelen: Bei beiden Viren handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion. Die Symptomatiken der beiden Erkrankungen ähneln einander, sie greifen vor allem die Lunge der Patienten an. Zudem weisen Erkrankte noch Symptome wie Husten, Kopfschmerzen und Fieber auf.

Unterschiede: Der wohl größte Unterschied zu damals sind die heutigen medizinischen Möglichkeiten. Heute können wir anhand eines Antigen- oder PCR-Tests durch einen Nasen- oder Rachenabstrich feststellen, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert ist. Diese Möglichkeit gab es 1918 nicht. Damals sind Viren noch gar nicht bekannt. Anfangs glaubt man, es handle sich beim Erreger um ein Bakterium.

Auch die Behandlung gestaltet sich heute anders. Milde Symptome können meist durch herkömmliche Medikamente behandelt werden. Bei schweren Verläufen stehen zumindest in entwickelten Staaten Beatmungsgeräte und Intensivbetten zur Verfügung. Vor 100 Jahren gibt es solche technologischen Möglichkeiten noch nicht. Nach einer studentischen Publikation der Universität Wien verfasst von Caroline Eiber, Isa Knilli und Eduard Rakaseder ist die gängigste Behandlungsmethode die Verabreichung von hochdosiertem Aspirin. Allerdings wird dadurch die Wasserbildung in der Lunge gefördert, was den Sterbeprozess sogar noch beschleunigt.

Collage aus Artikel-Überschriften zum Coronavirus zu

Wissen heißt nicht Glauben

Wissen ist so zugänglich wie noch nie zuvor, trotzdem gibt es Zweifel an Fakten. Wie kann es sein, dass man theoretisch fast alles wissen kann, aber es nicht glauben will? Ein Interview mit der Wirkungsforscherin Sophie Lecheler. Von Franziska Schwarz.